13. Oktober 2013

Das Internet im Handel

Unsere Gundphilosophie
Das Grundverständnis von next-e.biz basiert auf dem von uns entwickelten evolutionsökonomischen E-Commerce-Ansatz.
Historisch betrachtet haben Basisinnovationen zu revolutionären Veränderungen ganzer Industrien geführt – nicht mit einem Schlag, sondern evolutorisch im Laufe der Zeit. Solche Entwicklungszyklen halten rund 40 Jahre an, bis dann die nächste Entwicklung zu dominieren beginnt.
Das Internet stellt zweifelsohne eine solche Basisinnovation dar, welche wiederum viele weitere Innovationen und Veränderungen nach sich zieht. Wirtschaftsevolutorisch befinden wir uns derzeit im Informationszeitalter – und in diesem Entwicklungszyklus noch in der Anfangsphase.

In den nächsten 20-30 Jahren wird sich das Internet immer weiter „ausbreiten“ und nahezu alle Gesellschafts-, Wirtschafts- und Lebensbereiche immer weiter durchdringen und nachhaltig verändern.
Auch und insbesondere der Handel befindet sich dezeit mitten in dieser Veränderung. Wer demzufolge heute nicht die Weichen entsprechend stellt, wird morgen in diesem Evolutionsprozess aussortiert.

Die Trennung zwischen On- und Offline-Welt verschwindet
Das Internet erobert immer mehr die physische Welt und die Grenzen verschwimmen mittlerweile so sehr, dass bereits heute schon kaum jemand mehr sagen kann, ob er gerade on- oder offline ist bzw. on- oder offline einkauft. Insofern wird es künftig auch keine Trennung mehr zwischen „Online“ und „Offline“-Handel geben können. Alle Kanäle werden weiter miteinander verschmelzen und sich somit immer mehr gegenseitig beeinflussen, sich gegenseitig bedingen und verändern.

Das Internet ist da, omnipräsent und wird nicht mehr weggehen. Diesen Umstand sollte man sich als Händler sehr deutlich und bewußt machen, denn die damit einhergehenden Veränderungen werden kommen und werden folglich den Handel immer stärker prägen und verändern – organisatorisch, technisch und prozesseitig.
Insofern sollten sich die Händler auf die mit der Veränderung ergebenen Chancen konzentrieren, anstatt Ressourcen und Energie mit dem Kampf gegen das Internet zu verschwenden und dagegen anzukämpfen in der Hoffnung, dass alles beim „alten“ bleibt. Dies wird nicht mehr passieren.

Wirtschaftliche Entwicklung wird es nie ohne Veränderungen und schöpferische Zerstörung geben.

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

„Man kann die Zukunft am Besten vorhersagen, indem man sie erfindet und nicht dem Markt hinterherläuft und andere gestalten lässt.“ (Alan Kay)

Das Internet als Betriebssystem für den Handel
Die Kunden erwarten bspw. im Laden (oder Katalog mit bspw. dem Smartphone als „second screen“) mindestens den gleichen Komfort hinsichtlich Produktinformationen, Kaufhistorie mit individuellen Empfehlungen, Bewertungen sowie weiterer Services und Beratungsfunktionalitäten, die bspw. im eCommerce bereits geschätzt werden, d.h. dies setzt der Kunde als Minimalforderung voraus.
Die Services im Laden müssen somit zusätzliche kanalspezifische Mehrwerte bieten, die ein reiner Online-Shop oder Informationen aus dem Netz nicht leisten kann – wodurch auch die Anforderungen bzgl. des Informationsstandes und die Qualifikation der Mitarbeiter eine neue Qualität bekommt. Denn das, was im Internet steht (Produktinformationen, Bewertungen und Kritik, Videos und Produktvergleiche), kennt der Kunde meist bereits. Aber auch der reine Online-Handel darf sich nicht bequem zurücklegen, denn durch den Einzug des Internet in die „reale“ Welt, wird es ebenso Rückkopplungen aus der „realen“-Welt in die „online“-Welt geben. Erfahrungen, die Kunden „offline“ machen oder Anforderungen, die durch das „Internet der Dinge“ getrieben werden (d.h. durch die Vernetzung von realen Produkten mit dem Internet), haben somit ebenso Auswirkungen auf die Anforderungen in der „Online“-Welt.

Der Handel muß das Internet folglich als Betriebssystem bzw. Fundament begreifen, welches in alle Richtungen wirkt und auf dem dann die originären Funktionen des Handels (Überbrückungsfunktionen, Warenfunktionen, Informationsfunktionen und kulturelle Funktionen) aufgebaut und mit kanalspezifischen Mehrwerten versehen und untereinander vernetzt werden.

Das Internet als Betriebssystem für den Handel von morgen

Das Internet als Betriebssystem für den Handel von morgen

Vielen Händlern fehlt es jedoch an den richtigen Ressourcen, einem breiten theoretischen, strategischen und operativen Erfahrungswissen und KnowHow, um die notwendige Veränderungen erfolgreich umzusetzen.
Die Händler hier auf den richtigen Weg zu bringen und sie bei den technologischen und organisatorischen Veränderungen zu unterstützen, ist einer der Schwerpunkte unserer Tätigkeit.

No-Line-Handel
Prof. Heinemann bezeichnet diese Evolutionsstufe im Handel als „No-Line“-Handel, da es keine Kanalgrenzen mehr gibt.

Quelle: Gerrit Heinemann, No-Line-Handel

Quelle: Gerrit Heinemann, No-Line-Handel

Nach Multi-Channel (Kombination von Absatzkanälen, die der Kunde wahlweise nutzen kann) und Cross-Channel (Abstimmung, Harmonisierung und/oder Integration der verschiedenen Kanäle) bis hin zum heutigen Omni-Channeling durch No-Line-Systeme, welche mit der maximalen Verschmelzung der Kanäle einhergeht und die simultane Nutzung mehrerer Kanäle ermöglicht – wie bspw. die Smartphone-Nutzung im stationären Geschäft.

Der Geschäftsführer von eBay Deutschland, Martin Tschopp, fasst diese Entwicklung wie folgt zusammen:

“Die Kanäle werden so eng verschmelzen, dass die Kunden gar nicht mehr definieren können werden, ob sie gerade offline, online oder mobil einkaufen.“

Der ROPO-Effekt (online recherchieren, offline kaufen) verstärkt sich immer mehr. Bereits heute schon werden 60% der stationären Umsätze in Online-Shops vorbereitet (12% hiervon über Smartphones). Waren es in 2011 noch 23 Prozent der stationären Käufe, welche durch durch eine Recherche in Online-Shops der Händler vorbereitet wurden, so sind dies mittlerweile über 35 Prozent.

Die weitere Verbreitung, Nutzung und Weiterentwicklung von mobilen Endgeräten wird diesen Trend nicht nur weiter verstärken, sondern auch dazu führen, dass Nutzer innerhalb der stationären Läden das Internet, interaktive Services sowie Online-Inhalte immer mehr nutzen (wollen).